Juni – Zeit der Hitze, langer Abende, unbeschwerter Stunden mit Freunden im Biergarten. Zeit für Feste. Doch nicht allen ist diese Leichtigkeit geschenkt. Unsere Wochen sind auch eine Zeit, die in Prüfungen, Terminen und Aufgaben viel zu schnell verrinnt. In einer Welt, die von einer beunruhigenden Nachricht zur nächsten eilt. In einer Zeit, in der viele Menschen nicht zur Ruhe kommen, sondern atemlos vor dem Feuer des Krieges flüchten.Gerade in solche Unruhe hinein spricht Jesus:„Kommt her zu mir alle, die ihr müde seid und ermattet von übermäßiger Last. Aufatmen sollt ihr und frei sein“. Ich will euch Ruhe verschaffen.Echte Ruhe lässt sich nicht erarbeiten, nicht erwerben. Sie wird uns geschenkt.
Daran erinnern die sommerlichen Sonntage nach Pfingsten: Der Heilige Geist wirkt mitten in unseren Alltag hinein. Er kommt als Atem Gottes zu uns, überrascht uns wie ein Lächeln. Er stärkt uns als Rückenwind. Er zeigt sich in Feuerzungen der Begeisterung, in einer neuen Hoffnung, die die Angst überwindet. In der Kraft zur Bewegung und egegnung, ohne Furcht vor dem Fremden. Er lehrt uns, verschiedene Sprachen zu sprechen und uns doch zu verstehen. Darum wirkt er entwaffnend. Darum lehrt er uns, mehr auf die Kraft der Worte zu vertrauen als auf Waffen und Schwerter in Pflugscharen zu verwandeln. Der Atem des Heiligen Geistes deckt nicht zu, sondern wirbelt den Staub auf. Er verändert, was festgefahren scheint.
Das klingt vielleicht nicht nach jener Ruhe, die wir uns vorstellen. Doch Jesus erklärt uns: „Lernt von mir.“ „Nehmt mein Joch auf euch. Es ist leicht“. Tragt gemeinsam, was schwer ist. Martin Luther King schreibt: „Jesus bietet uns keine magische Flucht vor den Problemen, sondern eine innere Kraft, um ihnen standzuhalten. Wenn wir zu ihm kommen, finden wir die Ruhe, die unsere Seelen inmitten des Chaos brauchen.“
Diese sommerlichen Wochen laden dazu ein, uns einen neuen Atem schenken zu lassen. Vielleicht drückt Paul Gerhardt dies am schönsten aus in seinem Lied, das er mitten im 30jährigen Krieg schrieb: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud‘ in dieser schönen Sommerzeit“. Es ist eine Hoffnung, ein Glaube, der uns Ruhe verheißt, uns, den Müden und Ermatteten, denen, die nicht mehr weiterwissen: Erquickung, Stärkung - und eine Chance für den Frieden.
Autorin: Pfarrerin Angelika Wagner

