Da ist dieser perfekt gestylte Typ, der auch bei 40 Grad im Schatten kein Schweißtröpfchen auf der Stirn und keine feuchten Stellen unter den Achseln zeigt, oder die Hochzeit, die vom Anfang bis zum Ende perfekt durchgeplant ist und bei der nichts dem Zufall überlassen bleibt. Da ist der Garten, in dem kein Kraut an der falschen Stelle wächst, das von KI erstellte Referat mit der beeindruckenden Präsentation, dem es an nichts fehlt. Alles sehr beeindruckend. Aber geht es Ihnen auch so? Mein Herz erreicht so etwas in der Regel nicht wirklich. Gerade wenn etwas zu perfekt ist, fehlt etwas. Da fehlt die Lebendigkeit, die Spontaneität. Ich glaube, das ist kein Zufall. Unvollkommenheit gehört zum Menschsein, ja zu seiner Geschöpflichkeit und das ist gut so. So hat Gott uns geschaffen. So hat er uns gewollt. Wenn etwas zu perfekt ist, bietet es keine Angriffsfläche und wird gewissermaßen unberührbar, unmenschlich.
Und was unberührbar ist, das berührt auch nicht. Das ist glatt und seelenlos.
Auch deshalb ist es wichtig, dass wir uns einander als Menschen zeigen. So wie wir sind, so wie wir vielleicht auch geworden sind. Gerade auch mit unseren Macken, unseren Ecken und Kanten. Und unseren Angriffsflächen. Weil wir so zeigen, wer wir wirklich sind. Und weil es im Leben nicht darum geht, perfekt zu sein, sondern Mensch zu sein. Berührbar und berührend. Hilfsbedürftig und helfend. Aufeinander angewiesen und so füreinander da.
Autor: Pfarrer Jochen Maier, evangl. Pfarrer in Sommerhausen und Eibelstadt

