Dieser doch recht ungewöhnliche Gruß und Gesprächseinstieg mag bei einigen die Bilder von Schifffahrt, Möwen und Wellenrauschen hervorrufen. Jedoch hat Ahoi mit heute mehr zu tun, als man glaubt. Denn genau heute vor 150 Jahren, am 9. Oktober 1876, wurde das erste zweiseitige Telefonat der Welt geführt. Alexander Graham Bell und sein Assistent Thomas Watson telefonierten dabei etwa drei Stunden. Bell begrüßte von dort an bis zu seinem Tod die Menschen am Telefon mit „Ahoi“. Seitdem hat das Telefon einen großen Teil dazu beigetragen, dass wir Menschen miteinander vernetzt sind. Kaum jemand geht heute noch ohne sein – wenn auch inzwischen deutlich handlicherem – Telefon aus dem Haus.
Es scheint, als wäre die Verbindung unter- und miteinander etwas, das völlig untrennbar zu uns Menschen gehört und wir uns schnell unwohl fühlen, wenn diese Verbundenheit von einem schwindenden Handyakku bedroht wird. Und doch ist es zunehmend auch so, dass meine und jüngere Generationen tendenziell ungerne telefonieren. Wenn, dann nur im Ausnahmefall und am allerliebsten mit einer Sprachnachricht, statt einem echten Telefonat.
Auch im kirchlichen Sprachgebrauch hat das „Anrufen“ seinen festen Platz: Beim Beten reden wir davon, dass wir Gott „anrufen“. Zwar starten wir diesen Anruf nicht mit einem Ahoi, dennoch gibt es so manche Gemeinsamkeiten: Man ruft beispielsweise nur jemanden an, den man kennt und von dem man erwartet, dass er hört und antwortet. Jemanden, bei dem es uns wichtig ist, dass wir miteinander verbunden bleiben und ihm nahe sein wollen. Wie auch digital, ruft man gerade dann lieber an, wenn es dringend oder wichtig ist. Denn, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, sind gerade das die Momente, bei denen ich am ehesten die Hände falte.
Das Schönste daran ist, dass diese Verbindung auch nach dem „Auflegen“ weiterhin bestehen bleibt. Denn unser Gott ist nicht von Kabeln und Funkmästen abhängig. Und auch dann, wenn mein eigener Akku mehr als leer sein mag, erlischt diese Verbindung nicht. Manchmal ist sie gerade dann besonders spürbar. Denn er liebt es, mit uns im Kontakt zu sein und zu bleiben. So sehr, dass er in uns selbst wirkt.
Ich lade herzlich dazu ein, diesen besonderen Tag zu nutzen, um endlich diese eine Person, die man schon ewig mal wieder anrufen wollte, es jedoch immer aufgeschoben hat, „anzuklingeln“. Und wer weiß, vielleicht erlebt das „Ahoi“ dabei auch seine ganz eigene Renaissance.
Autor: Diakon Dennis Stephan

