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Wort zum Wochenende

Barmherzigkeit bereichert das Leben

Dem politischen Diskurs in unserem Land würde Barmherzigkeit manches mal gut tun, so Gemeindereferent Christoph Gewinner.

Wenn ein Schreiner einen Tisch oder einen Stuhl herstellt, dann weiß er, noch bevor er beginnt, wie der Tisch oder der Stuhl aussehen wird - wenn er das nötige Können als Schreiner besitzt. Wenn wir als Menschen miteinander zu tun bekommen, wissen wir nie ganz genau, was dabei raus kommt. Miteinander reden und diskutieren, Vereinbarungen aushandeln oder ein gemeinsames Verständnis einer Situation entwickeln, diese menschlichen Angelegenheiten sind durch ihre Unwägbarkeit gekennzeichnet.

Auf diesen wichtigen Unterschied zwischen Herstellen und menschlichem Handeln hat die große Denkerin des 20. Jahrhunderts, Hannah Arendt aufmerksam gemacht. Beim Handeln dachte sie vor allem an den Bereich der Politik. Sie betonte dabei, wie wichtig es ist, diesen Unterschied zu bewahren, weil sonst die Freiheit des menschlichen Handelns gefährdet wird. Wer die menschlichen Angelegenheiten und damit auch die Politik wie einen Herstellungsprozess betrachtet, der läuft das Risiko, die anderen zu manipulieren und schmälert den Raum echten Dialoges, so Hannah Arendt. Ihre Sorge war berechtigt. Und was Menschen heute so politikverdrossen macht, ist ja genau dieser Umstand, dass das politische Geschäft so oft mit der Zwangsläufigkeit von Rezepturen oder Bauplänen abzulaufen scheint, auf die der einzelne keinen Einfluss mehr hat. So fragen sich sicher auch heute Menschen vor der Wahl, ob sie überhaupt eine Wahl haben.

Das freie Handeln, wie Arendt es postuliert hat, birgt ein Risiko, nämlich das es eben nicht kalkulierbar ist und man damit rechnen muss, dass etwas schief läuft. Dass sich Politik in weiten Bereich zu einem Gestalten von Sachzwängen entwickelt hat und überbordende Bürokratien hervorgebracht hat, liegt dabei auch zu einem erheblichen Teil an unseren Sicherheitsbedürfnissen und Anspruchsdenken. Politik darf auf keinen Fall Fehler machen und Fehler, die ein Politiker macht, darf er auf keinen Fall einräumen.

Wie soll man aber ertragen, dass einem Unrecht geschehen, man zu kurz kommen könnte, Fehler gemacht werden, Entscheidungen falsch sind? Hannah Arendt nennt dabei eine Möglichkeit, eine Fähigkeit des Menschen, die ihn vom Tier und von der Maschine unterscheidet. Das Verzeihen. Arendt, die Jüdin war, verweist dabei ausdrücklich auf den biblischen Jesus und sein Konzept von Barmherzigkeit.

Dem politischen Diskurs in unserem Land würde Barmherzigkeit manches mal gut tun. Barmherzigkeit, richtig verstanden, als eine Möglichkeit, die tief im Menschen angelegt ist, macht aber vor allem das Leben dessen, der sie übt, um ein vieles reicher!

Christoph Gewinner, Gemeindereferent in der Pfarreiengemeinschaft Würzburg Ost