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Das Kraut, das gegen den Tod gewachsen ist

Wort zum Wochenende
Wir dürfen wissen, dass die „himmlische Frau Königin“ uns hilfreich zur Seite steht, so Bischof Dr. Franz Jung.

„Dagegen ist kein Kraut gewachsen!“ So sagt der Volksmund resigniert bei gesundheitlichen Problemen, die man nicht in den Griff kriegen kann. Das größte dieser Probleme ist der Tod, gegen den kein Kraut gewachsen ist. Oder vielleicht doch? Immerhin gehört zu jeder katholischen Feier des „Hochfestes der Aufnahme Mariens in den Himmel“ die traditionelle Kräuterweihe. Dazu bringen die Gläubigen Kräuterbüschel mit in die Kirche, die am Ende des Gottesdienstes gesegnet werden. Warum? Weil der Überlieferung nach aus dem Grab Mariens nach ihrer Himmelfahrt wunderbar heilender Duft entströmte. Es war der Duft des Lebens und nicht der Todesgeruch der Verwesung. Denn Maria wurde als erste unter den Menschen mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Sie ist das Vorbild des geglückten Sterbens. Im Tod fiel sie nicht ins Leere, sondern wurde in die Fülle Gottes hinein gerettet. Dabei ist ihr glückliches Sterben nur die Kehrseite ihres Lebens. Denn Maria hat Gott den Weg in diese Welt hinein geebnet, indem sie uns Christus geboren hat. Er ist das Kraut gegen den Tod. In seinem Sterben hat der Gottessohn die Macht des Todes ein für alle mal gebrochen. Und er hat nun seinerseits Maria an ihrem Lebensende den Weg in den Himmel geebnet. Maria, die Gott ganz in sich aufnahm, wurde von Gott ganz in den Himmel aufgenommen. In Maria sehen wir so das große Hoffnungsbild für uns Menschen, damit wir nicht verzagen. Uns tröstet die Zusage, dass wir auf die Fürsprache der Gottesmutter auch einmal den Himmel erreichen werden. Das ist alles andere als selbstverständlich angesichts der täglichen Mühen und Leiden, in denen wir uns zu bewähren haben. Wir dürfen wissen, dass die „himmlische Frau Königin“ uns hilfreich zur Seite steht. Wie aus einem reichen Kräuterbüschel reicht sie uns die Heilmittel für Leib und Seele dar, damit wir nicht verzagen. Die Heilkräuter stehen dabei für die heilende Kraft des Glaubens. Er ist wie Baldrian, mit dem wir in all unserem Stress zur Ruhe kommen. Er ist aber auch wie das Johanniskraut und hilft gegen Depressionen. Wie mittels der Schafgarbe löst er, was in uns verkrampft ist. Und mit dem Salbei hemmt er, was in uns entzündet ist. Wie die Kamille heilt er die inneren und äußeren Wunden. Und mit der Pfefferminze hilft er bei dem, was uns auf den Magen schlägt. Bleibt zu wünschen, dass wir mit der Gottesmutter die Fülle der heilenden Kraft des Glaubens wiederentdecken. Denn auch uns gilt die Verheißung, mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen zu werden. Was könnte man sich Schöneres wünschen?

Autor: Bischof Dr. Franz Jung

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