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Die Kraft zu bleiben

Wort zum Wochenende
Für die Bekämpfung des Antisemitismus kommt es auf die bewusste Entscheidung und den Mut vieler Einzelner an, so Dr. Josef Schuster.

Dass es nach der Schoa jüdisches Leben in Deutschland gibt, wird von einigen Politikerinnen und Politikern immer wieder als „Wunder“ bezeichnet. Und tatsächlich: Dass die Grundsteine für eine jüdische Zukunft in Deutschland gelegt wurden, auf die wir heute noch bauen, war nicht selbstverständlich. Es war jedoch kein Wunder, sondern eine ganz bewusste Entscheidung, ein Akt des Mutes – und des Glaubens.

Der große Religionsphilosoph Maimonides lehrte: „Ein Mensch soll nicht furchtsam oder mutlos sein, sondern ein tapferes Herz haben.“ In diesem Sinne sind wir jenen zu Dank verpflichtet, die – trotz innerer Zerrissenheit – den Mut fanden, zu bleiben oder zurückzukommen.

Das jüdische Leben heute ist vielfältig und lebendig. Bei dem großen Musikwettbewerb Jewrovision etwa treten junge Jüdinnen und Juden heute, am Freitag, in Stuttgart vor 1.200 Zuschauern unter dem Motto „Voices of Hope“ auf. Hier wird spürbar, wie sehr Gemeinschaft trägt, wie groß die Sehnsucht nach Leichtigkeit ist. Das Motto der Jewrovision bringt zum Ausdruck, was uns Juden im Innersten bewegt: Wir geben die Hoffnung auf ein lautes, stolzes jüdisches Leben in der Mitte der Gesellschaft nicht auf, die junge Generation von Jüdinnen und Juden sind unsere „Voices of Hope“.

In einem selbst geschriebenen Song stellten die Teilnehmer sich die Frage: „Bleiben oder gehen?“ Denn zunehmend versucht der wachsende Antisemitismus, jüdisches Leben aus der Öffentlichkeit zu verdrängen. Er hat es zurück in die Mitte der Gesellschaft geschafft.

Genau wie nach der Schoa können wir auch heute nicht auf ein Wunder bauen. Für die Bekämpfung des Antisemitismus kommt es auf die bewusste Entscheidung und den Mut vieler Einzelner an. So wie es das Motto des Katholikentages dieses Wochenende in Würzburg ist: „Hab Mut, steh‘ auf.“ Seien Sie also mutig, stehen Sie auf und bleiben Sie standhaft!

Wir sind als gesamte Gesellschaft gefragt, für die Werte einzustehen, die uns in unserem Glauben über Konfessionen hinweg verbinden, für ein Deutschland, wie wir es wollen.

Bleiben oder Gehen? In Gedenken an diejenigen, die jüdisches Leben hier vor über 75 Jahren etabliert haben sowie in Gedanken an Maimonides gibt es auf diese Frage nur eine Antwort: Lassen Sie uns die Mutigen und die Furchtlosen sein. Lassen sie uns den Glauben daran nicht verlieren, dass jüdisches Leben in Deutschland eine Zukunft hat. Und lassen Sie uns diese Worte mit Taten füllen.

Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland