Mitte Oktober ist meine Großtante verstorben. Sie war die jüngere Schwester meiner Großmutter und die letzte Verwandte dieser Generation. Ich durfte das Requiem für sie mitgestalten und habe dazu im Vorfeld in unserer Familie nach Erinnerungen gefragt, die wir alle mit Tante Resi verbinden.
Viel Schönes ist da zusammen gekommen.
Alle haben wir ihr Lachen und ihren Humor als besonders liebenswerte Eigenschaft in guter Erinnerung. Wir Großnichten und -neffen mochten sie auch deshalb so gerne, weil wir immer einen Kaugummi geschenkt bekamen, wenn unsere Eltern Benzin bei ihr zapften. Tante Resi und ihr Mann führten nämlich viele Jahre gemeinsam eine Tankstelle. Freie Zeit gab es da wenig, aber wenn sie einmal frei hatte, dann pflegte sie den sehr engen Kontakt zu ihren Geschwistern und war so bei all unseren Familienfesten immer dabei. Zu ihrem achtzigsten Geburtstag fuhr sie zusammen mit ihrem damals 12-jährigen Großneffen zu einem Fußballspiel in die Allianz Arena nach München. Der erinnert sich auch heute, fast zwanzig Jahre später, noch gerne an die „coole“ Tante Resi.
Überhaupt war sie eine sehr moderne und weltoffene Frau. Wir denken heute oft, dass ihr und ihren Geschwistern diese Eigenschaft vielleicht schon mit in die Wiege gelegt wurde: Resi wuchs mit fünf Geschwistern auf. Zwei davon stammten aus der ersten Ehe der Mutter, die als Kriegswitwe ein zweites Mal geheiratet hatte. Der Familienzusammenhalt und gleichzeitig die Offenheit für Fremdes und Neues ist eine Gabe, die wir alle an ihr so schätzen. Das bestätigt übrigens auch ihr afghanischer Schwiegersohn, der seit über 40 Jahren zur Familie gehört und von ihr ganz wunderbar aufgenommen wurde.
So viele schöne Erinnerungen haben wir also zu Tante Resis Beerdigung gesammelt und miteinander geteilt. So bleibt sie für uns auch über den Tod hinaus lebendig. Und wir dürfen sie dankbar ziehen lassen, weil wir daran glauben, dass sie in Gottes Armen geborgen ist.
Der Monat November lädt uns in besonderer Weise dazu ein, die Verbundenheit mit unseren Verstorbenen zu pflegen. Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag – diese Tage erinnern uns daran, dass unsere Lebensdauer begrenzt ist.
Aber die Liebe, die wir zu Lebzeiten schenken und das Gute, das wir tun, hat in den Herzen und Köpfen all derer Bestand, mit denen wir Zeit unseres Lebens verbunden waren.
Solche Erinnerungen an liebe Menschen zu sammeln und zu teilen, ist übrigens ein guter Tipp für die kalten und trüben Novembertage. Sie machen warm ums Herz.
Alexandra Eck ist Referentin für die Dompastoral am Kiliansdom Würzburg

