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Ihr seid teuer erkauft – werdet nicht wieder zu Knechten der Menschen

Wort zum Wochenende
Mehr als sich selbst konnte Gott nicht geben, so Pfr. i.R. Jürgen Reichel.

„Ihr seid teuer erkauft“, lesen wir bei Paulus, der vor 200 Jahren glasklar erkannte, was der Glaube an Jesus Christus bedeutet, den er persönlich nie kennengelernt hat. „Ihr seid teuer erkauft“, schreibt er also der jungen Gemeinde in Korinth, und fährt fort: „Werdet nicht die Knechte von Menschen.“ (1. Kor. 7,23).

Was für ein Gedanke! Sich innerlich nicht anderen Menschen unterordnen. Egal, in welcher Situation man sich befindet. Erhobenen Hauptes leben. Mit dem Bewusstsein, unverwechselbar und einzigartig zu sein.

Und wie kommt man zu einer solchen Einstellung? Weil jeder und jede es wert war, dass Gott in Christus Mensch wurde und uns zu sich zieht, wenn wir das wollen. Mehr als sich selbst konnte Gott nicht geben. Mehr als den Tod auf sich nehmen hätte er nicht tun können. Teuer hat er uns erkauft.

Und nun sollen und brauchen wir uns nicht zu Knechten der Menschen machen.

Ich verstehe das so: Immer versuchen Menschen, uns in ihren Bann zu ziehen und Einfluss auf uns auszuüben. Politiker und ihre Parteien. Unternehmer, die etwas zu verkaufen haben. Influencer, die davon leben, dass man ihnen „folgt“. Auch Religionsgemeinschaften, die Menschen ganz und gar an sich binden wollen. Künstliche Intelligenzen, die uns im Internet wie überaus kluge und als interessierte Menschen begegnen.

Wir können uns solchen Einflüssen nicht entziehen. Aber mir hilft es, wenn ich mir immer wieder sage: "Und da ist ein Gott, dem ich sehr teuer bin."

Wenn mich Parteien politisch einnorden wollen: Mein innerer Kompass ist von ihnen unabhängig.

Wenn alles das, was man angeblich braucht, zu viel Raum gewinnt: Wirklich brauchen tue ich sehr wenig.

Wenn mich die Social-Media-Größen in den Bann ziehen: Es sind nur Menschen wie du und ich.

Wenn Religionsgemeinschaften mir für alles und jedes Vorschriften machen wollen: So ist Gott nicht. Er führt nicht in die Knechtschaft, sondern in die Freiheit.

Wenn die KI als Ratgeberin immer wichtiger wird: Gott pflichtet mir nicht immer bei. Er ist ein echtes Gegenüber, zugewandt und ehrlich.

So teuer, so wichtig sollen Sie sich fühlen!

Autor: Pfr. i. R. Jürgen Reichel, Würzburg

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