Eine lange, aber ansprechende Überschrift trägt die diesjährige Gebetswoche für die Einheit der Christen: „Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung.“ Das Zitat aus dem Epheserbrief (4,4) ruft dessen Verfasser den jungen christlichen Gemeinden in Ephesus und im vorderasiatischen Raum zu. Sie sollen diese eine Hoffnung erkennen, damit sie gemeinsam trägt. Der Satz wird damit zum Motto der Gebetswoche, die alljährlich vom 18. bis 25. Januar stattfindet. Ein Aufruf, der auch heute allen Christengemeinden Hoffnung machen will, gerade in Zeiten, in denen viele angesichts der aktuellen Weltlage hoffnungslos sind.
Diesmal wurden Motto, Texte und Gebete von der Armenisch-Apostolischen-Kirche vorbereitet, eine der ältesten weltweit. Ihre Ursprünge sind tief in den Lehren der Apostel Thaddäus und Bartholomäus verwurzelt, die bereits im 1. Jahrhundert in Armenien das Evangelium verkündeten. Schon im Jahr 301 nahm Armenien unter König Tiridates III. als erste Nation das Christentum als Staatsreligion an, lange vor dem Römischen Reich.
Die Armenische Kirche gehört zur orientalisch-orthodoxen Tradition, und zeichnet sich durch besondere theologische und liturgische Riten, Bräuche und Kulturleistungen aus. In der turbulenten Geschichte Armeniens war der christliche Glaube oft für das Überleben und die Widerstandsfähigkeit des armenischen Volkes bedeutsam.
Die Gebetswoche lädt nun alle Konfessionen dazu ein, aus diesem christlichen Erbe zu schöpfen, die Einheit zu suchen und die weltweite Gemeinschaft in Christus zu vertiefen. Einheit und Hoffnung werden dabei als Auftrag Gottes an alle Kirchen verstanden, weil sie zum Kern der christlichen Identität gehören. Beide ermöglichen es, die ursprüngliche Berufung der Kirchen neu zu entdecken – so neu, wie der Aufruf des Apostels im 1. Jahrhundert. Diese Doppel-Berufung verbindet die gesamte Christenheit, trotz aller Vielfalt, auf die Einheit in Christus hin, den der Epheserbrief als „einen Leib“ beschreibt, der ist aus dem „einen Geist“ lebt.
Einheit und Hoffnung – gerade im wechselseitigen Zueinander – zeigen sich damit als Kraftquellen. Die Erkenntnis nämlich, dass alle in Christus Glieder eines universalen Leibes sind, ermutigt zu einer weltweiten Zusammenarbeit in der Verkündigung der Frohbotschaft und des Dienstes für die Menschheit: Statt Spaltungen Einheit – was für ein hoffnungsvoller Auftrag!
In Deutschland werden in der genannten Woche vielerorts ökumenische Gottesdienste gefeiert: Der bundesweit zentrale Gottesdienst am Sonntag, dem 25. Januar, in der armenischen Diözesankirche St. Sahak-St. Mesrop in Köln. In Würzburg lädt die Gemeinschaft Sant‘ Egidio am 23. Januar, um 19 Uhr, in die Marienkapelle ein.
Nehmen wir diese Einladung an, mitzubeten und mitzufeiern, um mit großer Hoffnung die Einheit zu stärken.
Domvikar Prof. Dr. Petro Müller, Pfarradministrator der Pfarreien Stift Haug, St. Gertraud u. St. Josef der Bräutigam

