In seinem Lied „Es gibt“ beschreibt der Wiener Künstler und Liedermacher André Heller verschiedene Ausdrucksformen von Leben wie: „Und es gibt Tage voller Lachen aus Nichts als Kinderseligkeit. Und dann die Bilder von Hiroschima, die Abgründe aus Leid. Es gibt den Lärm der Spielkasinos, doch auch die Mozartsymphonien. Und dann die Schönheit Ava Gardners, noch kurz vor dem Ruin. Und es gibt die Kartäusermönche, die schweigen müssen bis zum Tod. Und jemand bettelt unter Tränen um Erlösung aus der Not.“
André Heller fährt mit weiteren Bildern fort und beschreibt so dichterisch unsere Welt: „Es gibt den Kasperl und das Krokodil. Es gibt so viel zu wenig und so viel zu viel.“ Und gerade diese Aussage, hat mich besonders angesprochen: „Es gibt so viel zu wenig und so viel zu viel!“ Es gibt so viel Armut auf der einen Seite und so viel Reichtum und immer mehr Überreichtum auf der anderen Seite.
Und dass mich diese Aussage besonders anrührt, hat mit der Botschaft und Praxis Jesu zu tun. Immer wieder hat Jesus sich von dem „zu wenig“ von Menschen anrühren lassen und sorgend und heilend eingegriffen. Er hatte Mitleid mit den Menschen, die aus ihren Orten zu ihm in die einsame Gegend gekommen waren, in die er sich zurückgezogen hatte. Und sie hörten längere Zeit seinen Worten zu. Am Abend waren dann nur fünf Brote und zwei Fische da und das für eine große Menge an Männern, Frauen und Kindern. Jesus nahm ihre Bedürftigkeit wahr und ließ sich davon berühren. Er sorgte mit der Kraft seines Vaters dafür, dass sie satt wurden. Im Matthäusevangelium heißt es: „er blickte zum Himmel, brach die Brote und gab sie den Jüngern und die Jünger gaben sie den Leuten und alle aßen und wurden satt.“ (Mt 14,13-21)
Auf der anderen Seite warnte Jesus die Reichen auf falsche Werte im Leben zu setzen: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ (Mt 19,24)
In der Frage von Armut und Reichtum hat sich Jesus klar positioniert: Es ging ihm v.a. darum, sowohl das „zu wenig“ als auch das „zu viel“ abzubauen, einen Ausgleich herbeizuführen und damit Lebensmöglichkeiten für alle zu schaffen.
An dem Gegensatz von wachsender Armut auf der einen Seite und wachsendem Reichtum auf der anderen droht unsere Gesellschaft und drohen viele Gesellschaften in dieser Welt zu zerbrechen mit all den schlimmen Folgen für alle! Jesus zeigt einen Weg, wie einer solchen Entwicklung zu begegnen ist. Zuerst geht es darum, dieses „zu wenig“ wahrzunehmen: die Bedürftigkeit der Not Leidenden! Und dann für sie zu handeln, sich für die Armen einzusetzen: im Teilen von Wohlstand, in der Unterstützung von Hilfsaktionen und Hilfswerken, mit dem Kauf fair gehandelter Produkte… Solches Handeln schafft Gemeinschaft, schafft Verbindung zu Not Leidenden. Allein schon die Wahrnehmung ihrer Not stellt sich gegen ihre Ausgrenzung. So können wir alle dazu beitragen, dass es weniger „zu wenig“ und weniger „zu viel“ gibt.
Autor: Rainer Zöller, Pastoralreferent i.R., Waldbüttelbrunn

