Jeden Morgen kommt im Radioprogramm von Bayern 1 die Schätzfrage, ein harmloses Ratespiel, bei dem ein Hörer zum Beispiel schätzen darf, wieviele Tonnen Spargel in Deutschland produziert werden oder wieviele Jeans im Durchschnitt in unseren Schränken liegen.
„Was schätzen Sie?“ kann aber auch ganz anders verstanden werden, im Sinne von „Was ist für mich wertvoll?“, denn im Wort schätzen steckt ja auch das Wort Schatz.
Ich schätze zum Beispiel, wenn jemand ehrlich zu mir ist und mir nichts vormachen will.
Da will ich auch Ihnen als Leserin oder Leser nichts vormachen. Als Kirchenmann habe ich natürlich auch in der Bibel nachgeschaut, was da zum Thema Schatz zu finden ist.
Im Lukasevangelium ermahnt uns Jesus, nicht zu viele materielle Schätze zu sammeln, die sehr vergänglich sind. Lieber soll man durch gute Taten und den Glauben einen himmlischen Schatz sammeln: „Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.“ (Lk 12,34)
Besser also fragen: Wen schätzen Sie?
Im Lied „Das Beste“ singt die Band Silbermond: „Ich habe einen Schatz gefunden und der trägt deinen Namen.“ Einen geliebten Menschen zu finden, das ist tatsächlich eines der wichtigsten Erfahrungen im Leben. Mit einer weiteren Liedzeile bin ich allerdings nicht so einverstanden:
„… dann kann ich es kaum glauben, dass jemand wie ich, sowas schönes wie dich verdient hat.“
Kann man sich sich einen Schatz verdienen? Ich glaube es nicht. Schätze wollen gesucht und gefunden werden. Ein Schatz, wie er in diesen Zeilen beschrieben ist, ist immer ein Geschenk, unverdienbar.
Hat man diesen Schatz aber gefunden, dann muss man sich aber Mühe geben, ihn zu bewahren.
Am morgigen Samstag wird es bei uns in Eisingen, wie in vielen Kirchen, einen ökumenischen Gottesdienst zum Valentinstag geben. Alle Paare, besonders die mit einem Jubiläum, sind herzlich eingeladen, um den Schatz zu feiern, der ihre Paarbeziehung ist.
Für die Schätze im Himmel wie auf der Erde gilt aber dann doch, was Silbermond am Schluss singt:
„Ich sag′s dir viel zu selten - es ist schön, dass es dich gibt.“
Bernd Müller, Gemeindereferent und Koordinator im Pastoralen Raum Würzburg links des Mains

