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Wort zum Wochenende

Weihnachtsgeschehen

Gott ist heruntergekommen, damit er uns aufrichtet, so Dekan Dr. Wenrich Slenczka

Weihnachtsgeschehen

„Es wird etwas geschehen“, so hat Heinrich Böll eine Kurzgeschichte überschrieben. Der Untertitel lautet: „Eine handlungsstarke Geschichte“. Ein Mann bekommt eine Anstellung in einer Fabrik, weil er den Geist des Unternehmens durchschaut. Das Grundprinzip heißt: Handeln. Der Chef grüßt mit den Worten: „Es muss etwas geschehen“, und man antwortet: „Es wird etwas geschehen.“

So „handlungsschwanger“ ist auch unsere Zeit. Vor Weihnachten muss immer etwas geschehen; oder es hätte etwas geschehen müssen; oft ist auch etwas geschehen. Erst recht muss in der Zeit der Pandemie etwas geschehen. Mit starken Worten werden strenge und immer strengere Maßnahmen gefordert. Es ist etwas geschehen und darum muss etwas geschehen. Weihnachten soll da nur eine ganz kleine Ausnahme sein. Sonst würde zu wenig geschehen.

Die Hirten wollten in Bethlehem „die Geschichte sehen, die da geschehen ist“. Tatsächlich fragt man sich da, was ist eigentlich an Weihnachten geschehen? Oder was geschieht an Weihnachten? Die Weihnachtsgeschichte beginnt mit den Worten: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging …“ Denn Augustus dachte, es müsse etwas geschehen und ließ die anderen mal machen. Was diese Schätzung eigentlich war, wissen wir nicht genau. Aber es ist etwas geschehen. Daraus wurde allerdings etwas anderes, als Augustus wollte.

Und geschieht nun heute etwas? Unter dem Weihnachtsbaum liegt nicht die Lösung unserer Probleme, kein Gegenmittel gegen das Virus. Bei uns zuhause steht unter dem Baum die Krippe. Darin liegt das Kind, das nicht handelt, sondern einfach da ist. Maria ist auch nicht mehr schwanger. Sie bewegt nur die Worte in ihrem Herzen.

Dennoch ist da mehr als in allen handlungsschwangeren Worten oder hektischen Vorbereitungen. Da liegt Gottes ganze Güte bereit, um uns zu lieben – und um von uns geliebt zu werden. Alle strengen Maßnahmen und zwanghaften Traditionen zerfallen. Gott ist uns näher, als wir es einander sein dürfen. Er bricht mit seiner traditionellen Macht und kommt ohnmächtig als Kind.

„Gottes Güte ist besser als Leben“, heißt es in Psalm 63. Es geht um mehr als um unser starkes Handeln. Ohne unser Zutun ist wirklich etwas geschehen, was die Welt verändert. Denn Gott ist nicht mehr oben und wir unten. Sondern Gott ist heruntergekommen, damit er uns aufrichtet. Oder wie es Luther in einer wenig gesungenen Strophe seines bekannten Weihnachtsliedes „Vom Himmel hoch“ gedichtet hat: „Sei mir willkommen, edler Gast! / Den Sünder nicht verschmähet hast / und kommst ins Elend her zu mir: / wie soll ich immer danken dir?“

Dr. Wenrich Slenczka

Ev.-Luth.Dekan in Würzburg

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